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Bericht von einem Besuch bei Schwester Irene

Helene Schlösser besuchte im Mai 2001 Schwester Irene in Mosambik

Mosambik zählt zu den am stärksten von der Entwicklungshilfe abhängigen Ländern der Welt. 70% der Menschen leben unter der Armutsgrenze.
Die in Südostafrika gelegene, selbstständige Republik wird im Norden von Tansania, im Osten vom indischen Ozean begrenzt. Die südwestliche Grenze bilden Südafrika ( Krüger Nationalpark) und Swasiland. Im Westen grenzt Mosambik an Zimbabwe, Sambia und Malawi.
Die Hauptstadt ist Maputo, sie liegt im Süden und ist über eine Nationalstraße gut von Südafrika zu erreichen. Fahrtzeit ab Grenze ca 2 - 3 Stunden. In Maputo befindet sich auch der "internationale" Flughafen. Es gibt tägliche Verbindungen nach Johannesburg und zweimal wöchentlich nach Lissabon. Die staatliche Fluggesellschaft LAM fliegt außerdem täglich nach Beira und Nampula. Und nach Bedarf auch in die anderen Provinzen. Das Straßennetz ist schlecht und zum Teil noch vermint. Nachts sollte möglichst nicht gefahren werden.
Wir haben Sr. Irene Alber in Iapala in der Provinz Nampula besucht. Sr. Irene gehört zu den Johannesschwestern von Leutesdorf am Rhein. Allein die Anreise war ein kleines Abenteuer. Wir flogen von Johannesburg nach Maputo. Dort mussten wir eine Nacht bleiben, da der Flug nach Nampula erst am nächsten Morgen sehr früh ging. In der Provinzhauptstadt wurden wir von Sr. Assunsao, auch einer Johannesschwester abgeholt. Wir wurden freundlich empfangen und konnten dort bei den Schwestern im Kloster wohnen. Am nächsten Morgen ging es mit einem Allradfahrzeug (die Ladefläche hoch bepackt) in den Busch.
170 Km lagen vor uns. Hier in Deutschland nicht der Rede wert, aber in Mosambik. Die ersten 50 Kilometer waren noch Asphaltstraße danach kamen Sandstraßen. Es gibt kein Telefon im Busch, keine Tankstelle keine Straßenschilder, man muß den Weg kennen und sich mittels der gefahrenen Kilometer auf dem Tacho orientieren. Es müssen Bäche oder kleine Flüsse durchquert werden, riesige Schlaglöcher durchfahren werden Brücken überquert werden die nur notdürftig abgesichert sind. Aus diesen Gründen haben wir die Reise sehr früh angetreten damit man im Falle eines Falles noch am hellen Tag Hilfe holen kann, Straßenbeleuchtung gibt es nicht. Diese 170 km haben wir in 5 Stunden bewältigt.

Als wir in Iapala ankamen war die Freude riesengroß. Schwester Irene ist Ordensschwester und Krankenschwester lebt und arbeitet seit fast 32 Jahren hier in Mosambik. Am 28. Mai 2001 feierte sie dort ihren 82. Geburtstag.
Noch nie hatte sie Besuch aus ihrer Heimat. Sr.Irene ist eine Schulfreundin meiner Mutter und wurde von uns immer unterstützt. Bei ihren Besuchen hier hin Deutschland hat sie uns viel von ihrer Arbeit in Afrika erzählt und auch Bilder gezeigt. Nun konnten wir alles live erleben. Wir wohnten in der Missionsstation in einfachen Steinhäusern, die die Schwestern gebaut haben. Es gibt dort eine kleine Landwirtschaft mit Schweinen, Hühnern und Kaninchen. Es gibt Erdnüsse, Kokusnüsse, Papayas, Bananen, Mais und Bohnen. Auch bauen die Schwestern dort Erbsen und Maniok an und eine Schwester braut aus reifen Papayas einen köstlichen Südwein, sherryähnlich.
Mit Hilfe der Spendengelder konnte dort einiges aufgebaut werden. Derzeit wird eine Maismühle gebaut.
Es gibt ein Internat für Mädchen und eine Schule, es wurden Brunnen gebohrt und es gibt Regenwassersammelbecken. Die Schwestern haben ein Erwachsenbildungszentrum aufgebaut. Die MosambikanerInnen sind sehr wissbegierig. Alle Veranstaltungen, Vorträge und Schulungen sind sehr gut besucht. Es werden zum Beispiel Frauen fit gemacht um Kinder in kleinen Gruppen( 1. 2. und 3. Klasse) zu unterrichten. Diese Kinder müssten 15 - 20 Kilometer laufen um in eine Schule zu kommen. Erwachsene besuchen hier die Grundschule genau wie die Kinder. Die 1. bis 6. Klasse wird angeboten. Die Johannesschwestern haben ein Krankenhaus gebaut. Es gibt eine Tagesambulanz, eine Kinderambulanz, es werden Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und auch für schwangere Frauen durchgeführt. Es gibt dort einen "Zahnarzt", er ist kein Mediziner,aber er kann "gut" Zähne ziehen. Das Krankenhaus verfügt über ein kleines Labor und eine Apotheke. Die Kranken müssen oft weite Strecken zurücklegen, nicht selten laufen sie 20 oder 30 Kilometer um das Krankenhaus zu erreichen. Wir selbst haben erlebt das ein Vater mit seinem kranken Kind auf den Schultern 4 Stunden bis zum Krankenhaus gelaufen ist, und dann waren ein Teil der dringend benötigten Medikamente nicht vorhanden. Zusehen und nicht helfen können ist für uns nur schwer auszuhalten. Es gibt viele schwere Erkrankungen wie offene Tuberkulose, Aids, Typhus, Syphillis, Meningitis, Malaria, Lepra. Die Schwangerenanamnesen sind oft haarsträubend, Fehl- und Totgeburten sehr häufig und selbst wenn ein Kind lebend geboren wird, ist die Rate der Kindersterblichkeit erschreckend hoch. Verhütungsmaßnahmen werden nur zögerlich angenommen, da Kinderreichtum in der mosambikanischen Gesellschaft immer noch ein Prestige darstellt.

Bei den Kranken, die sich stationär im Krankenhaus aufhalten, sind immer Angehörige dabei die sich um den Kranken kümmern, ihn verpflegen ja regelrecht bekochen. Im Innenhof den Krankenhauses gibt es viele Kochstellen auf denen das Essen für die Kranken zubereitet wird, meistens Mais und Bohnen, die Hauptnahrungsmittel der Mosambikaner Es fehlt an Vitamin und Eiweißreichen Nahrungsmitteln. Trotz der 2800 km langen Küste ist es nicht möglich frischen Fisch ins Hinterland zu bringen, weil einfach die Infrastruktur fehlt. Es gibt zwar eine Zugverbindung von der Küste quer durch Mosambik bis nach Malawi. Doch es gibt keinen regelmäßigen Fahrplan. Mal fährt der Zug mal fährt er nicht weil vielleicht kein -Diesel vorhanden ist. Sr. Irene hat seit mehr als drei Monaten dringend benötigte Medikamente beim Zoll liegen und bekommt sie nicht frei. Sie müssten Schmiergelder bezahlen, aber das machen die Schwestern nicht.
Die Schwestern haben in Nampula ebenfalls ein Familienbildungszentrum und einen Kindergarten. Die Kinder die in den Kindergarten kommen erhalten dort eine warme Mahlzeit die angereichert wird mit einem Vitamin und Mineralstoffcocktail. Nach nur drei Monaten sehen die Kinder gesund und gut ernährt aus. Viele Kinder können von den Eltern nicht ausreichend ernährt werden und oft ist die Mahlzeit im Kindergarten das einzige Essen am Tag.
Außerdem haben die Kinder keine Spielsachen wie es in unseren Kindergärten üblich ist. Die didaktischen Materialien werden von den Erzieherinnen selbst hergestellt. Die Schwestern in Mosambik leisten harte Arbeit unter schwierigsten Bedingungen. Trotzdem haben sie schon sehr viel erreicht und große Not lindern können. Aber es bleibt noch immer viel zu tun. Die Not der Kinder in Mosambik zu lindern ist das größte Anliegen von Schwester Irene. Für nur 10 DM kann ein Kind in Mosambik Essen und Kleidung bekommen. Wieviele Kinder in Deutschland erhalten mehr als 10.DM Taschengeld täglich um sich z. B. in Fast Food Restaurants mit Mittagessen zu versorgen? Wieviel Essen wird hier einfach weggeworfen? Wieviele überfütterte Kinder gibt es hier bei uns, während in Mosambik viele Kinder verhungern müssen? Was uns an den Mosambikanern, Erwachsene und Kinder, am meisten auffiel war ihre Herzlichkeit und Fröhlichkeit, trotz allem Elend.